Thomas Gruber Thomas Gruber

Thomas Gruber

Wie kann man sich einer Realität und ihrer Gültigkeit sicher sein? Im Augenblick der Erkenntnis über das Gesehene, entsteht eine subjektive Wirklichkeit. Jedoch kann auch ein Trugschluss zu einer Erkenntnis führen und somit realitätsstiftend sein.

Eine trügerische Spiegelung ist eine zweidimensionale Abbildung der dreidimensionalen Welt. Die Linse des Auges erstellt ebenfalls eine zweidimensionale Abbildung der dreidimensionalen Welt. Erst aufgrund unserer Erfahrung mit der Umwelt, kann das Gehirn die dritte Dimension interpretieren. So lange Unkenntnis über den tatsächlichen Sachverhalt herrscht, kann der Betrachter jegliche für ihn gültige Wirklichkeit konstruieren. Alles ist möglich, solange ich nichts weiß. 

Spiegelungen sind nicht nur eine detailgetreue Kopie der Realität, vielmehr erlauben sie eine Manipulation der Wirklichkeit. Der Reiz liegt darin begründet, dass jene abgebildeten Zustände der materiellen Wirklichkeit, Architektur und was Architektur ermöglicht, ebenso real wie die Realität selbst sind, wenn, aufgrund einer rein zweidimensionalen Abbildung, jegliche Information über die eigentliche architektonische Artikulation fehlt. Auch gibt es räumliche Sachverhalte, über welche kein Erfahrungswert vorherrscht und dadurch nicht entschlüsselt werden kann, wie „flach“ das flache Bild wirklich ist.

Die Abbildungen sollen eine mögliche Variante der vorgefundenen, gebauten Wirklichkeit darstellen. Im Rahmen der Fotografie und ihrer zweidimensionalen Natur, gibt es Platz für ein Spiel mit Sein und Schein. 

Die Situationen auf den Bildern wurden echt gesehen, dennoch waren sie nicht Teil der Realität, weil der Kontext erklärte, dass es Schein ist. 

Lediglich über die reine Fotografie erfahrbar, dementsprechend ohne Kontext der Situation, kann der Inhalt zum Sein werden. Eine andere Wirklichkeit wird sichtbar.

 

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